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Dieses Thema enthält 4 Antworten und 2 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Ueli Kronbach vor 2 Monate.

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  • #29605 Antwort

    ELSEBEKI

    Was kann ich bei der Unterrichtsgestaltung speziell beachten, um das sehbehinderte Kind zu unterstützen? Welche Erfahrungen haben andere Lehrpersonen gemacht? ….

    #30421 Antwort

    Illi Alexa

    Ein sehbehindertes Kind ist tatsächlich eine grosse Herausforderung für uns Lehrpersonen. Allerdings nicht das sehbehinderte Kind, sondern die Sehbehinderung. Zum Glück kann man da fachliches Wissen und Beratung durch Fachstellen und die Schulische Heilpädagogin einholen. Die grösste Hilfe/Unterstützung sind jedoch oft auch die Eltern, insbesondere die Mutter. Sie ist meist in den Jahren bis zum Schuleintritt längst selbst zur Spezialistin für die Sehbehinderung geworden, und gepaart mit den besten Wünschen für das eigene Kind sowie der unfehlbaren Intuition, was jetzt von allen Angeboten dem Kind am besten tut.
    Die Zusammenarbeit mit den Eltern und Fachstellen ist sicherlich die Grundlage für den Unterricht.
    Und was ist mein Beitrag als Lehrerin? Folgend ein paar Ideen:

    Verschiedene Lernstile berücksichtigen
    Der grösste Teil des Unterrichts basiert auf visuellem Lernstil. Gezielte alternative Angebote, wie z.B. ein Hörbuch der Klassenlektüre, können die Augen entlasten.
    Die Überprüfung der Lernziele kann mündlich statt einer schriftlichen Prüfung vorgenommen werden (Unterrichtsassisenz, SHP)

    Lernpartnerschaft
    Ein Lernpartner/eine Lernpartnerin hilft da, wo das sehbehinderte Kind Hilfe braucht. Das sehbehinderte Kind hilft dem anderen in anderen Bereichen, z.B. 1×1 mündlich abfragen. Es sollte also gegenseitig sein.

    Compacting
    Um Anstrengung und Erholung aufgrund der Sehbehinderung im Gleichgewicht zu behalten, ist Compacting, also Weglassen von Aufgaben, unerlässlich. Die fachlichen Ziele stark ins Zentrum stellen und jegliches, das nicht zwingend sein muss, weglassen. Mut ist gefragt.

    Hohes Mass an Selbständigkeit resp. Unabhängigkeit
    Die Sehbehinderung erschwert das Leben, das ist sicher auch emotional nicht immer einfach. Umso wichtiger, dass die Sehbehinderung nicht auch noch zu vermeidbarer Abhängigkeit von anderen führt. Dazu braucht das Kind die Möglichkeit, selbständig zu agieren. Sei es, dass es ohne zu fragen aufstehen und an die Tafel laufen darf, ein Notenblatt am Kopierer selber vergrössern darf oder mittels iPad die Buchseite fotografieren und den Text grösser zoomen kann.

    Gesamtes Kind sehen
    Schliesslich möchte ich nochmals betonen, wie wichtig es mir als Lehrperson ist, anstelle des sehbehinderten Kindes lieber das Kind mit allen möglichen Facetten, mit seinen schulischen Stärken, seinen Persönlichkeitsmerkmalen zu sehen und-so sehr die Sehbehinderung das Leben auch prägt- die Sehbehinderung einfach als eine Facette wahrzunehmen.

    Twice exceptional
    Zu guter Letzt möchte ich auf sogenannte Twice exceptional hinweisen. Gemeint sind Kinder mit sogenannten Doppeldiagnosen. Zur Sehbehinderung kann ein ADHS, ein Asperger Syndrom, eine Lese-Rechtschreibschwäche oder aber auch eine Hochbegabung oder eine Hochsensibilität hinzukommen. Dies gilt es bei den Fördermassnahmen/Wahl von Hilfsmitteln zu berücksichtigen.

    Liebe Grüsse in die Runde
    Alexa Illi

    #30422 Antwort

    ELSEBEKI

    Liebe Alexa

    Wir bedanken uns ganz herzlich bei dir für diesen wertvollen und ausführlichen Beitrag und die Beleuchtung der Thematik von verschiedenen Seiten. Diese wichtigen Hinweise können sicherlich andere betroffene Lehrpersonen anregen und unterstützen. Wir hoffen, dass dies auch die Diskussion untereinander anregen kann und Lehrpersonen ermutigt, ihre Erfahrungen ebenfalls zu schildern oder Fragen in die Runde zu werfen.

    Liebe Grüsse
    ELSEBEKI

    #30455 Antwort

    ELSEBEKI

    Jasmin Rüegg, Mitbegründerin der Online-Plattform ELSEBEKI gibt in einem Interview in der Verbandszeitschrift BILDUNG THURGAU unter anderem Auskunft darüber, warum ELSEBEKI und das Forum auch für Lehrpersonen interessant sein können.
    Der Artikel dazu kann unter dem folgenden Link nachgelesen werden: Bericht

    #30548 Antwort

    Ueli Kronbach

    Liebe ELSEBEKI-Nutzer
    Der sich immer wieder veränderten Situationen muss Rechnung getragen werden. (z. B. Lehrer- oder Klassenwechsel) Die zusätzliche Aufmerksamkeit im Unterricht für ein Kind mit einer Sehbehinderung ist für die Lehrkräfte oft eine Herausforderung. Es gibt keine gängigen Rezepte und die Schüler müssen lernen sich selber zu melden. Doch gilt es zu bedenken: «Was man nicht sieht, vermisst man auch nicht»
    Die Ausgangslage und die Bedürfnisse der Schule und des Elternhauses sind bei jedem Kind verschieden. Dies gilt es immer wieder in der Planung und den Beratungen zu berücksichtigen.

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